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Kaiserswerther Verband diskutiert Suizidassistenz

Die Suizidassistenz als Dienstleistung gehört nicht zum Wesen der Diakonie, so der Tenor einer Online-Konferenz des KWV. Aus dem unausweichlichen Einzelfall dürfe kein routinierter Regelfall werden.

Mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter der Diakonieunternehmen und Gemeinschaften des KWV aus ganz Deutschland tauschten sich am 1. Februar über eine Videokonferenz aus. Der KWV, so dessen Geschäftsführerin Christa Schrauf, reagiert damit auf den hohen Gesprächsbedarf in seinen Mitgliedshäusern und gibt dem notwendigen Diskurs zur aktuellen Debatte rund um die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für verfassungswidrig zu erklären, Raum.

Die Diakonie sei herausgefordert, das Selbstbestimmungsrecht der Patienten zu respektieren und gleichzeitig für ihre Sicht des Lebens und Sterbens zu werben, so der Medizinethiker Ulrich Körtner von der Universität Wien. Aus christlicher Sicht sei niemand zum Leben zu zwingen, wohl aber zu ermutigen.

Es könne Situationen geben, in denen ein Mensch keinen anderen Weg sehe, als einem anderen Menschen bei der Selbsttötung zu helfen oder zur Seite zu stehen. Keinesfalls dürfe aber daraus gefolgert werden, dass der Einsatz für das Leben und die Entscheidung für den Tod aus christlicher Sicht gleichrangige Optionen seien, so Körtner.

Der Vorschlag, die Diakonie solle selbst Suizidassistenz anbieten, sei abwegig, da man dann genau das praktiziere, wogegen man bisher immer argumentiert habe. Es drohe, das Ansehen der Diakonie als dem Leben verpflichteter Organisation zu schädigen. Dem Leben werde jedoch auch nicht durch die Tabuisierung von Sterbewünschen gedient. Körtner: „Die primäre Aufgabe der Diakonie liegt zweifellos in der Suizidprävention“.

Würde der Wunsch, dem Leben aktiv ein Ende zu setzen, von den Mitarbeitenden diakonischer Einrichtungen umgesetzt, würde sie dies in einen nicht auflösbaren ethischen Rollenkonflikt treiben, den die Diakonie als Arbeitgeberin nicht verantworten könne, so Thomas Lunkenheimer von der Diakonie Stiftung Salem in Minden.

Der Respekt vor dem Todeswunsch sei ebenso wichtig wie die Professionalität, um einen solchen Wunsch auszuhalten, so Sr. Marietheres Gustorff von der Stiftung Sarepta der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Vorwürfe und eine Tabuisierung seien nicht hilfreich. Stattdessen müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit ein Suizidwunsch nicht entstehe. Dafür brauche es eine Stärkung der Palliative Care und anderer Betreuungsformen.

Der Respekt vor der persönlichen Entscheidung ist nicht identisch mit der Zustimmung dazu, dass dieses Leben sinnlos sei. Dies würde bedeuten, dass auch andere Menschen in derselben Situation ein sinnloses Leben führten, so Matthias Blume vom Ev. Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin.

Karsten Stüber vom Diako Thüringen betonte die Notwendigkeit der Verbesserung von Aufklärung und Beratung zu den Fragen der Begleitung am Ende des Lebens und plädierte für die Stärkung der vorausschauenden Versorgungsplanung, Advanced Care Planning.

Es gibt den unausweichlichen Einzelfall, in dem alle Bemühungen um ein Menschenleben nicht mehr fruchten können, so die Teilnehmenden in der anschließenden Debatte. Dieser Situation verschließe sich die Diakonie nicht. Jedoch dürfe daraus kein standadisierter, routinierter Regelfall werden, war das klare Votum aus den Diakonieunternehmen und Diakonischen Gemeinschaften. 

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