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Bewegen, berühren, mobilisieren

Wie Kinästhetik Pflegende entlastet und Menschen mit Pflegebedarf zur Bewegung motiviert

Wie wäre es, wenn es im Pflegealltag ganz leicht würde, einen Menschen mit Pflegebedarf vom Rollstuhl aufs Bett zu setzen – weil dieses Umsetzen in einer gemeinsamen fließenden Bewegung geschieht? Mit Kinästhetik, der Lehre von der Bewegungsempfindung, ist das möglich. Damit werden Pflegebedürftige nicht mit Kraft an den gewünschten Platz gewuchtet. Sie werden selbst aktiv, indem sie sich zum Beispiel im Einklang mit ihrer Pflegekraft bewegen oder die Möglichkeit bekommen, sich selbstständig umzusetzen. Mit noch vorhandenen eigenen Ressourcen wird ihre Bewegungskompetenz gefördert – angstfrei, ohne Anstrengung und ohne zusätzlichen Zeitaufwand.

„Es entsteht eine Form der Interaktion, in der die Bewegung von Pflegebedürftigen und die eigene Bewegung achtsam wahrgenommen wird“, erklärt Ulrike Ketteler, Kinästhetik-Trainerin Stufe 1 der Diakonie Stiftung Salem. Mit einer geschulten sensiblen Wahrnehmung kann erkannt werden, welche Bewegung Pflegebedürftige ausführen möchten. Diese wird dann durch gezielte Berührung, durch leichte Impulse oder verbal aufgenommen und unterstützt. Die Eigenständigkeit und Autonomie von Pflegebedürftigen zu erhalten und zu fördern, steht dabei an erster Stelle.

Gesundheitsprävention für das Pflegeteam

Kinästhetik schafft durch eigene Bewegungserfahrungen ein Verständnis davon, wie Bewegung funktioniert. Die Auseinandersetzung mit eigenen Bewegungsabläufen führt meist unweigerlich zu einer Senkung der eigenen Körperspannung und zu einem kräfteschonenden Arbeiten. Dies trägt zur Reduzierung der körperlichen Belastung bei. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege, Begleitung und Betreuung der Diakonie Stiftung Salem nehmen ab September 2022 nach und nach an einer Kinästhetik-Basisschulung teil. Einmal im Monat erhalten aus jeder Einrichtung zwei bis drei Mitarbeitende aus dem stationären und ambulanten Bereich gemeinsam in kleinen Gruppen die Möglichkeit dazu, verschiedene Bewegungserfahrungen aus dem Pflegealltag zu machen und gemeinsam zu überlegen, wie diese Erkenntnisse in Praxissituationen umgesetzt werden können. Hier kommen die Kinästhetik-Peer-Tutorinnen und -Tutoren ins Spiel, die Ansprechpartnerinnen und -partner in den Einrichtungen, die gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort die Pflegesituation begleiten. Die Kombination aus Theorie, der eigenen Erfahrung, aber vor allem der Umsetzung in die Praxis schafft eine sehr gute Voraussetzung für die nachhaltige Implementierung von Kinästhetik in allen Bereichen der Pflege.

Und für die Schülerinnen und Schüler der Pflegeakademie sind die Basisschulungen unabhängig von ihrem Ausbildungsträger im Rahmen des Curriculums Teil der ein- und dreijährigen Ausbildung: In den Theorieblöcken können sie an je zwei Vormittagen Kinästhetik-Kenntnisse aufbauen und vertiefen. Diese Schulungen leitet Ulrike Ketteler an – eine der wenigen fest angestellten Kinästhetik-Trainerinnen der Branche. Unterstützt wird sie dabei von Gundula Geist, einer externen Trainerin der Stufe 3.

Eine systematische Ausbildung

Ulrike Ketteler fand mit 40 Jahren den Weg ins Gesundheitswesen: Sie studierte Gesundheitsmanagement und arbeitete zugleich stundenweise als Pflegeassistentin im Pflegeheim in Hille. Dort lernte sie Kinästhetik kennen – und das war genau ihr Ding. Sie absolvierte den Grund-, den Aufbau- und den Peer-Tutoren-Kurs, wobei es ihr von Anfang an wichtig war, ihre Erkenntnisse an Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Mit 50 absolvierte sie die Ausbildung zur Pflegefachkraft und schloss im September 2022 erfolgreich die Ausbildung zur Kinästhetik-Trainerin Stufe 1 ab. Heute ist sie in der Diakonie Stiftung Salem zu 50 Prozent als Pflegefachkraft beschäftigt, die andere Hälfte ihrer Arbeitszeit ist sie als Dozentin für Kinästhetik in der Pflegeakademie tätig. Und 2023 wird sie sich zur Kinästhetik-Trainerin Stufe 2 weiterbilden.

Grund-, Aufbau- und Peer-Tutoren-Kurs, das sind die Basiskurse für Pflegende. Wer Trainerin oder Trainer werden will, kann sich systematisch mit weiteren Ausbildungen qualifizieren. „Als Trainerin Stufe 1 ist man zum Beispiel die Expertin in der Praxis und kann themenbezogen Schulungen und Workshops anbieten. Als Trainerin Stufe 2 können Grundkurse, als Trainerin Stufe 3 Aufbaukurse mit Zertifikat durchgeführt werden“, erklärt Ulrike Ketteler. Zudem gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich für die Arbeit mit pflegenden Angehörigen, die Arbeit mit Menschen mit Demenz oder im Infant Handling ausbilden zu lassen.

„Die Vertiefung des Themas steht allen Mitarbeitenden offen“, so Ursula Kocs, Leiterin der Evangelischen Pflegeakademie. „Schon heute gibt es in fast all unseren Einrichtungen Peer-Tutorinnen und -Tutoren, die Azubis und das eigene Team dabei unterstützen, kinästhetisch zu arbeiten. Denn die regelmäßige Praxis ist immens wichtig, wenn es um die eigene Gesunderhaltung geht. Und für die Menschen mit Pflegebedarf bedeutet Kinästhetik mehr Mobilität und ein Plus an Lebensqualität.“

 

Was ist Kinästhetik?

Der Begriff „Kinästhetik“ setzt sich aus altgriechischen Wörtern zusammen: kineo (bewegen) und aisthesis (Wahrnehmung). Er beschreibt die Lehre der menschlichen Bewegungswahrnehmung. Durch Kommunikation und sanfte Unterstützung der Pflegekraft werden gemeinsam Bewegungsabläufe entwickelt, die auf die individuellen Fähigkeiten der zu pflegenden Person abgestimmt sind. Ein respektvolles Miteinander entsteht, das gegenseitig schont und entlastet.

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